Sie hat es allen gezeigt! Jamala ist die strahlende Siegerin des Eurovision Song Contest - und das, obwohl der Song im Vorfeld fast nicht zugelassen worden wäre. Streng genommen ist der Beitrag der Ukraine sogar regelwidrig! Laut der offiziellen Richtlinien sind eigentlich keine Songs mit einer klaren politischen Botschaft zugelassen.

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Jamala erklärte vorab, ihr Song basiere auf einer Geschichte, die ihre Urgroßmutter ihr einst erzählte. Wenn der Text ihres Liedes "1944" tatsächlich ein Gutenacht-Märchen sein soll, dann allerdings ein sehr gruseliges. Jamala besingt beispielsweise gleich in der ersten Strophe Fremde, die ins Haus eindringen und skrupellos Morde begehen. "Wir sind nicht schuldig", behaupten die Mörder, während "alle sterben". Subtil geht anders. Auch ohne den vielsagenden Songtitel, der sich auf das Jahr bezieht, in dem der sowjetische Staatschef Josef Stalin den Befehl gab, die Krimtataren zu deportieren, wäre allen klar, von welchen Gräueltaten die Ukrainerin singt. Laut Regelwerk des ESC eigentlich ein No-Go, doch die EBU entschied nach vielen Diskussionen und Protesten , der Song sei "nicht politisch".

Jamala
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Jamala

Doch gerade das war vermutlich auch der Grund, wieso sie sich ausgerechnet gegen Favoriten Russland durchsetzen konnte. Obwohl Jamala offiziell die Geschichte ihrer Vorfahren besingt, ist die Story dahinter aufgrund der Krimkrise aktueller denn je. Jamala lieferte mehr als Kaugummipop oder eine sexy Performance - und genau damit traf sie den Nerv der Zeit. Die Ukrainerin brachte schlichtweg das Gesamtpaket mit: eine gute, kräftige Stimme, eine emotionale Darbietung - und ein deutliches Statement für ein starkes Europa. Sollte es nicht genau darum im Eurovision Song Contest gehen?

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