Warum schweigt das Kronprinzenpaar im Marius-Høiby-Prozess?

Warum schweigt das Kronprinzenpaar im Marius-Høiby-Prozess?

- Fabienne Stepczynski
Lesezeit: 2 min

Während der siebenwöchigen Verhandlung gegen Marius Borg Høiby (29) vor dem Osloer Gericht wurden zahlreiche Zeugen gehört – darunter Eltern und Geschwister mehrerer betroffener Frauen. Doch zwei zentrale Personen fehlten: Kronprinz Haakon (52) und Kronprinzessin Mette-Marit (52) wurden weder von der Polizei befragt noch als Zeugen vorgeladen, obwohl sie in Verbindung mit mehreren wichtigen Ereignissen im Fall stehen. Auch Marius' leiblicher Vater Morten Borg wurde nicht verhört. Das norwegische Medium VG hat nun eine umfassende Analyse der Beweisführung vorgenommen und kommt zu dem Schluss, dass das Kronprinzenpaar an mindestens sieben entscheidenden Punkten hätte Licht ins Dunkel bringen können. Auf Anfrage des Blattes teilte der Palast lediglich mit: "Das Kronprinzenpaar war nicht in Vernehmungen und wurde nicht als Zeuge in der Strafsache vorgeladen."

Staatsanwalt Sturla Henriksbø verteidigte die Entscheidung, auf eine Befragung zu verzichten. "Die Einschätzung der Polizei war, dass das Kronprinzenpaar nicht über Informationen zu den Vorfällen verfügt, die den Fall weiter aufklären könnten", erklärte er gegenüber VG. Er betonte zudem, dass Haakon und Mette-Marit keine Aussagepflicht hätten, wenn ein enges Familienmitglied angeklagt sei. Krimexperte Øystein Milli von VG sieht das jedoch kritisch: "Es wäre nicht unnatürlich gewesen, um eine Vernehmung zu bitten, um dem Kronprinzenpaar einige Fragen zu stellen. Ich weiß, dass sie keine Aussagepflicht haben. Aber wenn die Polizei nicht einmal gefragt hat, ob sie aussagen wollen, weiß man auch nicht, welche Informationen sie hätten beisteuern können."

Die Liste unbeantworteter Fragen ist lang: Wie verhielt sich Marius während des gemeinsamen Ausflugs mit Haakon nach Lofoten im Oktober 2023, kurz bevor es zu einer mutmaßlichen Vergewaltigung kam? Welche Rolle spielte das Kronprinzenpaar bei Streitigkeiten um die Realityshow-Teilnahme von Marius' Ex-Freundin Nora Haukland? Mette-Marit soll Nora wenige Tage nach dem Gewaltvorfall vom 4. August 2024 kontaktiert und sie sogar auf Schloss Skaugum empfangen haben. Außerdem hatte die Kronprinzessin Marius an jenem Augusttag von der bevorstehenden Festnahme informiert und ihn zur Hauptpforte von Skaugum gefahren, wo die Polizei ihn 33 Minuten später in Empfang nahm. Nora behauptete vor Gericht, sie habe das Kronprinzenpaar bereits 2023 angefleht, Marius in eine Entzugsklinik zu schicken. Marius selbst wies dies zurück und erklärte unter Tränen: "Mama und Haakon haben nichts anderes getan, als die nettesten Menschen der Welt zu sein, sowohl zu Nora als auch zu mir."

Prinz Haakon, Marius Borg Høiby und Kronprinzessin Mette-Marit, Juni 2016
ActionPress / Robin Utrecht
Prinz Haakon, Marius Borg Høiby und Kronprinzessin Mette-Marit, Juni 2016
Marius Borg Høiby mit seiner Mutter Mette-Marit, Kronprinz Haakon und Vater Morten Borg am ersten Schultag an der Jansløkka-Schule in Asker, 2003
Imago
Marius Borg Høiby mit seiner Mutter Mette-Marit, Kronprinz Haakon und Vater Morten Borg am ersten Schultag an der Jansløkka-Schule in Asker, 2003
Marius Borg Høiby, Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit
Instagram / marius_borg
Marius Borg Høiby, Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit
Wie findet ihr die Entscheidung, Haakon und Mette‑Marit im Prozess nicht zu befragen?