Mette-Marits Epstein-Interview: Ermittlungen gegen TV-Sender
Ein TV-Interview hat in Norwegen nachhaltig für mächtigen Wirbel gesorgt: Kronprinzessin Mette-Marit (52) hatte sich im März gegenüber dem staatlichen Sender NRK zu ihrer früheren Verbindung zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (†66) geäußert. Das rund zwanzigminütige Gespräch wurde am 19. März aufgezeichnet und am darauffolgenden Tag ausgestrahlt. Doch statt Aufklärung folgte Enttäuschung – viele Fragen blieben unbeantwortet, und der Unmut in der Öffentlichkeit war groß. Insgesamt gingen beim Rundfunkrat seit Februar rund 900 Beschwerden gegen NRK ein, davon befassten sich 193 allein mit dem Epstein-Interview. Am 29. April beschäftigte sich der Rundfunkrat mit den Vorwürfen gegen den Sender.
Im Zentrum der Kritik steht laut Dagbladet der Vorwurf, NRK habe die Interviewfragen vorab an das Kronprinzenpaar übermittelt – ein Umstand, der nach Ansicht vieler Beschwerdeführer die journalistische Unabhängigkeit des Senders untergrabe. Ratsmitglied Anders Anundsen brachte seine Kritik auf den Punkt und erklärte, das Interview hätte genauso gut ein "Podcast des Königshauses" sein können. Es habe keinen klaren Mehrwert geboten und deute darauf hin, "dass diese Befragte ganz anders behandelt wird als andere". Senderredakteurin Sofie Gran Aspunvik verteidigte das Vorgehen von NRK: "Es ist uns wichtig zu betonen, dass NRK die Fragen selbst ausgewählt hat und nicht der Palast sie angefordert hat." Man habe die knappe Interviewzeit von zwanzig Minuten bestmöglich nutzen und zentrale Fragen des Falls stellen wollen. Der stellvertretende Vorsitzende des Rundfunkrats, Jarle Roheim Håkonsen, äußerte sich differenzierter: "Hätte sich die Kronprinzessin an mehr erinnern und klarer antworten können, wäre der Journalismus kaum als schwach wahrgenommen worden."
Laut Dagbladet stellte Journalist Petter Oulie-Hauge 32 Fragen, doch bei ungefähr einem Drittel blieb eine Antwort aus. Gleich zu Beginn wich Mette-Marit aus, als es darum ging, wie sie Jeffrey Epstein kennengelernt hatte. "Ich wurde ihm durch gemeinsame Bekannte vorgestellt", sagte sie. Und sie schob direkt hinterher: "Ich werde weder Namen nennen noch versuchen, jemand anderem die Schuld zu geben." Als Oulie-Hauge nachhakte, was sie 2011 über Epstein gewusst oder recherchiert habe, blieb sie ebenfalls vage: "Ich erinnere mich nicht... Es fällt mir schwer, das zu sagen." Konkreter wurde die Kronprinzessin nur bei den handfesten Gefälligkeiten. Nach Angaben von NRK räumte sie ein, dass Epstein ihr unter anderem Blumen, Chauffeurdienste, vier Tage Aufenthalt in seiner Villa in Palm Beach und einen Friseurbesuch bezahlt habe. Bei einer E-Mail, in der sie ihm von einer "langweiligen Hochzeit" geschrieben haben soll, blockte sie ab. Sie habe "keine Lust" darauf, verschiedene Mails im Detail zu besprechen. "Ich möchte nicht so privat werden, wie Sie es wünschen", stellte sie klar. Genau diese Mischung aus wenigen Zugeständnissen und vielen Grenzen brachte die Debatte im Land erst so richtig in Fahrt.









