Harvey-Weinstein-Anklägerin kontert nach Gefängnis-Interview

Harvey-Weinstein-Anklägerin kontert nach Gefängnis-Interview

- Marina Birner
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Harvey Weinstein (73) hat sich aus dem Gefängnis heraus zu Wort gemeldet und dabei auch über Kaja Sokola gesprochen, eine von rund 80 Frauen, die dem mittlerweile verurteilten Filmproduzenten 2017 sexuelle Übergriffe vorwarfen. In einem Interview mit dem Magazin The Hollywood Reporter betonte der Inhaftierte, dass er in dem Anklagepunkt, der Kaja betraf, freigesprochen worden sei. "Ich wurde in Sachen Kaja Sokola, die sagte, ich hätte sie vergewaltigt, nicht schuldig gesprochen", erklärte Harvey. Er verwies darauf, dass die ehemalige Schauspielerin und das Model in ihrem Tagebuch über ihn nur geschrieben habe: "Harvey hat mich enttäuscht." Seiner Ansicht nach sei sie enttäuscht gewesen, weil er sie nicht zum Star gemacht habe.

Kaja, die heute als Psychologin arbeitet, reagierte nun gegenüber dem Magazin People auf Harveys Aussagen. "Harvey war schon immer ein Tyrann, also hat mich sein Interview aus dem Gefängnis nicht überrascht", sagte sie. Was sie jedoch getroffen habe, sei das wahnhafte Denken. "Keine Verantwortungsübernahme. Immer noch verdreht er die Fakten, selbst jetzt, selbst aus einer Zelle heraus", kritisierte die gebürtige Polin. "Ich schaue ihn an und sehe einen Mann, der immer noch geistig krank ist. Der immer noch leidet." Bei Harveys Wiederaufnahmeverfahren im Jahr 2025 hatte Kaja ausgesagt, der Produzent habe sie mit 19 Jahren zu Boden gedrückt, ihre Strümpfe und Unterwäsche heruntergerissen und an ihr Oralverkehr vollzogen, während er masturbierte. Das Urteil der Jury habe nicht verändert, was ihr widerfahren sei, stellte sie klar.

Trotz allem wäre Kaja zu einem persönlichen Gespräch mit Harvey bereit. "Ich möchte Harvey in Rikers treffen", erklärte sie und bezog sich damit auf das New Yorker Gefängnis. Einerseits wolle sie endlich damit abschließen. Andererseits entspreche das einfach ihrem professionellen Verständnis als Psychologin. "Ich möchte wissen, ob ein persönliches Gespräch etwas in ihm verändern könnte", sagte Kaja. Harvey habe in seinem polarisierenden Interview erwähnt, dass er nie die Chance gehabt habe, sich bei den Frauen zu entschuldigen, die ihn beschuldigt hätten. "Ich gebe ihm diese Chance", so die Mutter eines Sohnes. Sie glaube an das, was sie innere Gerechtigkeit nenne: die Idee, dass sich Fehler und sogar Verbrechen leichter anfühlen könnten, wenn man sie zugebe, Wiedergutmachung leiste und mit anderen Werten vorangehe. "Jeder verdient diese Möglichkeit. Sogar er."

Harvey Weinstein im Juni 2025
Getty Images
Harvey Weinstein im Juni 2025
Harvey Weinstein bei einer Anhörung im Strafgericht Manhattan in New York City am 4. März 2026
Getty Images
Harvey Weinstein bei einer Anhörung im Strafgericht Manhattan in New York City am 4. März 2026
Harvey Weinstein im Februar 2020
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Harvey Weinstein im Februar 2020
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